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Amokdrohungen und School-Shootings [Bücherregal]

amok

An meiner letzten Schule gab es Amokkärtchen. Sie waren klein, gelb und laminiert und darauf stand, wie man sich im Fall eines Amoklaufs verhalten sollte. Ich hatte keins. Passiert schon nicht, dachte ich mir. Zurückblickend fand ich es schwierig – in meiner Schulzeit gab es genug Androhungen (alle nicht ernst zu nehmen, aber trotzdem) und eine Turnhallenevakuierung an unserer Realschule wegen einer Bombenwarnung. Ich weiß nicht, wie man sich in so einem Fall verhält. Ich sollte es aber wissen.

Sarah Neuhäuser und Armin Himmelrath haben sich eingehend mit dem Thema Amokläufe, Drohungen und allem, was dem voraus- bzw. nachgeht beschäftigt. Neben Begriffserklärungen – was unterscheidet einen Amoklauf von einem Schoolshooting? – thematisieren sie ausführlich den sogenannten Werther-Effekt (wie und wieso findet die Tat Nachahmer oder Trittbrettfahrer) und das Leaking (ungezielte oder auch gezielte Äußerungen über einen anstehenden Amoklauf). Vor allem Letzteres fand ich sehr interessant, weil es schwer ist, zu unterscheiden, wie ernst die Aussagen der Schüler sind, wenn sie sich in diese Richtung äußern. Außerdem blicken sie auf typische Täterprofile, die aus vergangenen Amokläufen erstellt wurden (betonen dabei aber auch, dass diese Profile keine Garanten dafür sind, einen potentiellen Täter zu erkennen), und auf Faktoren, die Einfluss auf die Entscheidung nehmen, einen Amoklauf zu begehen.

Die Autoren stellen fest, dass Schulpersonal so gut wie nicht wissen, wie sie bei einem Amoklauf reagieren sollten, geschweige denn, wie sie Anzeichen dafür erkennen können. Ich gebe zu – ich habe keine Ahnung. Deswegen erstellten sie am Ende des Buches auch einen Plan, wie man mithilfe ihrer Veröffentlichung eine Schulung für Lehrer abhalten könnte. Ich fand das Buch zumindest sehr hilfreich, um einen Einblick zu bekommen.

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Ferien [Und sonst so?]

Zum Abschlussselternabend suchte ich alle Fotos heraus, die ich oder die Kinder mit meiner Kamera dieses Schuljahr gemacht haben, und brannte sie für meine Eltern auf CD. Wir setzten uns zum letzten Elternabend zusammen und blickten zurück auf das Jahr. Ich las die mühevoll zusammengesuchten Zeugnissprüche vor und ließ die Eltern erraten, welcher ihrem Kind gehörte.

Wenn ich das Einschulungsfoto ansehe und daran denke, was für große – sowohl körperlich als auch seelisch gewachsene – Kinder heute ihre Zeugnisse von mir empfangen haben, wird mir schon ganz warm ums Herz. Meine Klasse. Meine Flöhe. Jetzt sind sie bald nicht mehr die Kleinsten an der Schule und sie können es kaum erwarten.

Doch die Ferien waren für uns alle auch bitter nötig. Jetzt finde ich endlich mal die Zeit, um das anzugehen, was auch wichtig ist: der Umzug, die Hochzeit. Nicht nur die Kinder wachsen. Ich wachse mit.

In mir ist Licht vom Paradies,

ich nahme es mit, als ich’s verließ,

bewahr’ es tief im Herzen mein

und hüte treu den Gottesschein.

Wenn meine Hand mit Liebeskraft

auf Erden etwas Gutes schafft,

dann leuchtet aus dem Herzenstor

das Paradieseslicht hervor.

[Hans Harress. Zeugnisspruch einer Schülerin]

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Nur die Ruhe [Kindermund]

Offensichtlich war ich heute etwas gestresst. Als ich meine Flöhe wieder für die Eurythmie einsammelte und mir selbst schon dabei vorkam wie ein Schafhirte, der seine Schäfchen vor sich hintreibt, nahm mich eine Schülerin an die Hand und meinte ganz cool:

“Nur die Ruhe. Wir haben alles im Griff.”

Da musste ich so lachen, dass ich gar nicht mehr gestresst sein konnte.