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Die Oberuferer Weihnachtsspiele [Traditionen]

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In weihnachtstagen in der still,
A tiefer schlaf mi überfiel,
Mit freid ward ganz begossn.
Mei söl empfing vül süeßigkeit,
Vül honig und vül rosn.

–  Witok, Christgeburtsspiel –

Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckte ein Mann namens Karl Julias Schröer die Oberuferer Weihnachtsspiele wieder – im gleichnamigen Oberufer in Ungarn.

Die Aufführung der Oberuferer Weihnachtsspiele in der Bearbeitung Rudolf Steiners – oder zumindest eines der drei Teile – ist eine Tradition der Waldorfschulen um Weihnachten herum. Sie zählen zu den Mysterienspielen, die im Mittelalter häufig aufgeführt wurden. Die drei Spiele, die aufgeführt werden, sind das Paradeisspiel, das Christgeburtsspiel und das Dreikönigsspiel. Gespielt und gesungen wird in einem sogenannten Donauschwäbischen Dialekt. Während das Paradeisspiel sich an der Schöpfungsgeschichte orientiert, wird im Christgeburtsspiel von Marias Empfängnis und Geburt sowie dem Besuch der Hirten erzählt. Im Dreikönigsspiel treffen die Könige auf ihrer Suche auf diejenigen, denen die Geburt Jesus egal ist oder sogar ein Dorn im Auge.

Die Spiele wechseln zwischen Ernsthaftigkeit und Humor und haben somit für alle Zuschauer etwas zu bieten, was sie faszinieren oder erheitern kann, vorausgesetzt, man versteht, was gesagt wird. Es wird gewechselt zwischen Chorgesang, Sologesang und Sprechrollen. Auch sollte man sich nicht daran stören, dass die Spiele an die westliche Welt angepasst wurden – so ziehen Maria, Josef und die Hirten zum Beispiel durch eine winterliche Landschaft, die es in Palästina wohl nicht gegeben haben wird.

Wie Auftritte wirken, ist immer stark abhängig vom Publikum und wie es reagiert. Der schönste Auftritt dieses Jahr für mich war übrigens der im Altenheim. Als der Engel „Vom Himmel hoch“ gesungen hat, begannen die Zuschauer alle mitzusingen – da stiegen mir richtig die Tränen in die Augen, so schön war das.

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Martinimarkt [Traditionen]

Jede Schule besitzt sie – diese Feste, die die ganze Gemeinschaft noch einmal enger zusammenschweißen, weil Schulpersonal, Eltern und Schüler gleichermaßen Kraft und Liebe in die Vorbereitung und Durchführung stecken. Eines dieser Feste ist der Martinimarkt. Schon Wochen vorher basteln alle schöne Produkte für den Basar und jede Klasse überlegt sich, was sie den Besuchern zeigen möchte. Da gibt es dann gebrannte Mandeln, selbstgemachtes Marzipan, die größeren Schüler gestalten sogar ihre eigenen Cafes und Minirestaurants, in denen sie die Festbesucher bewirten. Am Basar können dann mit vollem Bauch die ersten Weihnachtsgeschenke besorgt werden – gefilzte und genähte Püppchen, Waldorfpuppen, Dekoration und selbstgestrickte Mützchen. Für die Kinder gibt es sogar einen eigenen Kinderbasar, der so präpariert ist, dass ihn auch nur Kinder betreten können. Die erste Klasse ist traditionell an meiner Schule für das Lichtchenschwimmen zuständig. Hier werden im Dunkeln, nur mit Kerzenschein beleuchtet, kleine Walnussschiffchen mit Kerzenwachs durchs Wasser geschleust, unter Wurzeln und Ästen durch – dabei muss man darauf achten, dass es weder untergeht noch die Kerze erlischt, was gar nicht so einfach ist. Begleitet wird das ganze durch Leiermusik und Flüsterton ist allerhöchste Pflicht. Was aufs erste Hören langweilig klingt, ist so schön und entspannend zu beobachten und nicht einmal die Fünftklässler waren sich zu alt, um es zu probieren

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