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Michaeli [Feste im Jahreslauf]

375x600x375px-St._Michael.jpg.pagespeed.ic.A574gtZwIcDas erste Fest, das wir an der Schule im Jahreslauf feiern, ist der Michaelitag, der dieses Jahr auf den Sonntag fällt. Am 29. September wird dem Erzengel Michael gedacht sowie Gabriel und Raffael. Den exakten Zeitpunkt setzte Ludwig der Fromme fest.

Im Mittelalter wurde am Michaelitag meist Gericht gehalten (Michael begleitet die Verstorbenen vor Gottes Gericht), heute sind es dann eher schöne Herbstmärkte, die auf oder um diesen Tag fallen, denn er ist ebenso ein Zeichen für das Ende der Erntezeit. In manchen Orten zündet man am Vorabend sogar noch das Michaelifeuer an.

Bedeutsam für die Waldorfschule ist vor allem, dass man ab diesem Zeitpunkt – also mit Einbruch der Herbstzeit – wieder beginnt, sich mehr auf sich selbst zu besinnen, da die Natur sich nun zurückzieht. Gemeinsam mit Sankt Martin und Sankt Nikolaus bereitet dieses Fest die Schüler außerdem auf Weihnachten vor.

Im Zentrum steht hier das Bild des Erzengels Michael mit seinen Anhängern, der den Drachen besiegte, als sich ein Streit im Himmel erhob. Genauso sollen die Menschen niederträchtige und böse Kräfte erkennen und ihnen die Stirn bieten. Sankt Georg, ein Heiliger aus einer mittelalterlichen Legende, besiegte auf Erden ebenfalls einen Drachen und rettete so das Leben einer Prinzessin, die geopfert werden sollte. Seine Tat ist das irdische Gegenstück zu Michaels Sieg im Himmel.

Wir feiern den Michaelitag Montagmorgen als Schulgemeinschaft gemeinsam, wobei meine Flöhe nur zusehen und noch nichts beitragen. Dafür spielen wir im Klassenzimmer die Geschichte von Sankt Georg nach.

“Bringt St. Michaeli Regen, kannst du gleich den Pelz anlegen.”

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Herbstliche Apfelküchlein [Jamjam]

Zur Anfangstagung bringt jeder Lehrer etwas Leckeres zu essen mit. Für mich ist das immer eine Herausforderung – der Koch in unserem Haushalt ist eindeutig mein Freund und meine Experimente möchte ich nicht unbedingt an meinen neuen Kollegen testen. Aber Backen geht immer. Also gab es von mir eben die süße Nachspeise.

Apfelküchlein

Das Rezept habe ich von Küchenzaubereien, meiner Anlaufstelle Nummer 1 bei Hunger auf Süßes oder Herzhaftes. Und deswegen werde ich auch das Rezept nicht hier als meines ausgeben, sondern euch lieber raten, einmal bei Evi vorbeizusehen. Ich wette, ihr findet etwas, was ihr sofort nachmachen möchtet.

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Das Paradies vor der Haustür [Draußen]

Ich gebe es ja selten zu, wenn meine Schwiegermama es hören könnte – aber ich mache doch gerne einen Abstecher in ihren Garten. Diesen Sommer gab sie diese Gelegenheit aber auch allen anderen, die mal neugierig sein wollten, und veranstaltete einen Tag der offenen Gartentür. Ihr dürft dafür in Bildern teilhaben und vor Neid erblassen, wo ich meine Sommernachmittage verbringen darf.

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Das Leben und dazu eine Katze, das gibt eine unglaubliche Summe [Und sonst so?]

Obiges schöne Zitat stammt übrigens von Rilke. Ein kluger Mann.

Als ich zwei Jahre war, zog bei uns eine Persermixkätzin namens Ginger ein. Meine Eltern übernahmen sie von einem Freund, als sie schon ein Jahr alt war. Seit ich also denken kann, lebe ich mit Katzen zusammen. Ginger und ich wuchsen zusammen auf, wurden älter und in ihrem Fall leider auch alt – im stolzen Alter von 20 Jahren starb sie.  Meine Eltern wollten erst einmal keine Katze mehr, hatten aber nicht mit meiner Sturheit gerechnet. Im September erzählte mir die Oma vom Freund von einem Wurf auf ihrem Heuboden – kaum erfahren, schon getan: wir fuhren hin, begutachteten die kleinen Fellknäuel und zwei Wochen später zog Max ein – ein schwarzer Maine Coon -Mix, der die Herzen meiner Eltern im Sturm eroberte, sobald er schnurrend die Transportbox verließ. Max blieb, auch als ich ging – das Trio war einfach unzertrennlich geworden. Da ich meine Eltern mindestens einmal wöchentlich besuche, ist das für mich aber nicht so schlimm – Max geht es dort gut, meine Eltern haben jemanden, um den sie sich kümmern können, nachdem die Tochter groß ist, und er sieht mich trotzdem noch für regelmäßige Schmuseeinheiten. Selbst an den Hund hat er sich gewöhnt, auch wenn die beiden eine eher seltsame Beziehung haben – der Hund fängt sich abwechselnd Schellen und Kuscheleinheiten ein, manchmal kurz nacheinander.

max

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Apfelbaum [Rhythmisches]

Im Baum, im grünen Bettchen,
Hoch oben sich ein Apfel wiegt,
Der hat so rote Bäckchen,
Man sieht, daß er im Schlafe liegt.

Ein Kind steht unterm Baume,
Das schaut und schaut und ruft hinauf:
“Ach, Apfel, komm herunter!
Hör endlich doch mit Schlafen auf!”

Es hat ihn so gebeten,-
Glaubt ihr, er wäre aufgewacht?
Er rührt sich nicht im Bette,
Sieht aus, als ob im Schlaf er lacht.

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Da kommt die liebe Sonne
Am Himmel hoch daherspaziert.
“Ach Sonne, liebe Sonne,
Mach du, daß sich der Apfel rührt!”

Die Sonne spricht: “Warum nicht?”
Und wirft ihm Strahlen ins Gesicht,
Küßt ihn dazu so freundlich;
Der Apfel aber rührt sich nicht.

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Nun schau! Da kommt ein Vogel
Und setzt sich auf den Baum hinauf.
“Ei, Vogel, du mußt singen,
Gewiß, gewiß, das weckt ihn auf!”

Der Vogel wetzt den Schnabel
Und singt ein Lied so wundernett.
Und singt aus voller Kehle;
Der Apfel rührt sich nicht im Bett.

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Und wer kam nun gegangen?
Es war der Wind, den kenn ich schon,
Der küßt nicht und der singt nicht,
Der pfeift aus einem andern Ton.

Er stemmt in beide Seiten
Die Arme, bläst die Backen auf
Und bläst und bläst; und richtig,
Der Apfel wacht erschrocken auf.

Und springt vom Baum herunter
Grad in die Schürze von dem Kind;
Das hebt ihn auf und freut sich
Und ruft: “Ich danke schön, Herr Wind!”

– © Text: Robert Reinick –

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Von der Realschule an die Waldorfschule [Ein Neustart]

ciao realschule

5 Jahre habe ich studiert – Deutsch, Geschichte, Erziehungswissenschaften. Davon hat mir ein Jahr lang der Kopf nur so geraucht wegen der ersten Examensprüfungen. Zwei Jahre lang habe ich mich durch das Referendariat gekämpft, alle Klassen einmal durch unterrichtet und Material gesammelt. Und jetzt, 7 Jahre später und mit einem Abschluss als Realschullehrerin im Gepäck werde ich … keine Realschullehrerin.

Wieso? Ganz ehrlich – weil der Staat mich nicht will. Weil ich die falschen Fächer studiert habe – die, die jeder studiert und die es jetzt in solchem Ausmaß gibt, dass man damit jede freie Stelle zehnfach stopfen könnte. Wie viele andere Referendare, die dieses Jahr ihr zweites Examen gemacht haben, musste ich mir überlegen, wie es jetzt weitergeht, so ohne Vater Staat. Im Februar begann ich also, Unmengen an Bewerbungen wegzuschicken. Von den meisten davon habe ich bis heute nichts gehört – wahrscheinlich liegen in den Papiertonnen vieler Schulen stapelweise teurer Bewerbungsmappen (kleiner Tipp am Rande für die, die das noch vor sich haben: vorher anrufen und fragen, ob Bedarf besteht, spart eine Menge Geld). Das klingt jetzt so, als hätte ich mich aus reiner Notlage für eine alternative Schulart entschieden. Natürlich war die Einstellungssituation ausschlaggebend, sicher hätte ich auch an der Realschule weiter unterrichtet – aber auf Dauer?

Wieso jetzt aber gerade eine Waldorfschule? Diese Frage haben mir im Nachhinein schon viele gestellt, darunter auch meine zukünftigen Kollegen bei meinem Bewerbungsgespräch. Natürlich musste ich mir Alternativen suchen, habe alle möglichen Schulen. Tatsächlich ging der Großteil meiner Bewerbungen (mit Ausnahme von zweien tatsächlich) an Nichtrealschulen. Konzentriert habe ich mich dabei aber stark auf freie Schulen – Montessori und Waldorf. Weil es Punkte in den zwei Jahren an der Realschule gab, die mich gestört haben und mich manchmal zweifeln lassen haben, ob ich so ganz richtig bin. Meine Beziehung zu meinen Schülern war mir immer wichtig, Wegschauen fiel mir schwer und gegen Wände zu reden, wenn ich auf Probleme in Klassen aufmerksam machen wollte, hat mich doch streckenweise frustriert. Das dicke Fell, das sich viele Lehrer mit der Zeit anschaffen, wollte ich nicht haben.

Was mir ebenso schwer fiel, war das Notengeben, vor allem dann, wenn ich schlechte Noten an Schüler verteilen musste, von denen ich wusste, dass sie sich vorher mit all ihrer Kraft bemüht hatten, den Stoff zu kapieren. An anderen Stellen, vor allem in meinen kleinen Klassen, flossen Tränen wegen einer Zwei. Noten mögen ihre Berechtigung haben, nur für Noten lernen jedoch nicht. Fragt mich doch mal was aus dem Studium – ich kann bis heute nichts mehr erzählen, das ich nicht mit dem Bewusstsein gelernt habe, dass es zu wissen sinnvoll sei.

Manche der Eltern, vor allem in meinen beiden Deutschklassen, habe ich nie gesehen – gerade die Eltern, mit denen ich durchaus gerne einmal gesprochen hätte. Es ist zwar schön, wenn man den Eltern am Elternabend sagen kann, wie gut sich ihr Kind macht, denn genau diese Eltern tauchen auf – wenn man sich aber Sorgen macht, hört man auch auf Nachfrage keinen Piep aus dem Zuhause. Ich glaube auch, dass viele besorgte Eltern sich nicht melden wollten und manche haben sich mit Händen und Füßen gewehrt, wenn man sie darauf aufmerksam machen wollte, dass ihr Kind ein Problem hat, an dem man mit Hilfe arbeiten könnte. Am Elternabend hatte ich Eltern vor mir sitzen, die völlig erstaunt waren, dass ich zu ihren Kindern auch etwas Positives zu sagen hatte, nachdem es scheinbar vorher nur Kritik gehagelt hatte. Das Verhältnis zwischen Eltern und Lehrern war gefühlt manchmal ein Antagonistisches, das in extremen Fällen auf den Schultern der Kinder ausgetragen wurde.

Sicher habe ich mit meinen zwei Jahren nicht die Berufserfahrung, die ein Realschullehrer nach Jahren im Dienst hat – wer weiß, wie ich in einigen Jahren unterrichtet hätte. Ich will mich sicher auch nicht über meine älteren Kollegen stellen. Ich möchte einfach nur bezweifeln, dass es das ist, was ich in ein paar Jahren für _mich_ möchte. Ich möchte eine enge Beziehung zu meinen Schülern, ich möchte sinnvoll mit ihren Eltern zusammenarbeiten und ich möchte sie für ihre Leistung loben oder womöglich auch tadeln können, gemessen an ihren Bemühungen und Fähigkeiten und nicht an einem Klassendurchschnitt in Zahlen.

Das kann ich jetzt…