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Da spitzt was um die Ecke

Ja, wo isse denn, die Frau Waldorflehrerin? Wo hat sie sich versteckt?

Momentan schielt der Kopf zwischen einem Stapel Zeugnissen hervor – die Klassenlehrerzeugnisse sind schon fertig, die Fachzeugnisse warten noch vorwurfsvoll auf dem Schreibtisch. Wo war ich denn?

In der Schule war ich, in der Nachmi, in den Arbeitskreisen, bei Elternabenden, bei zusätzlichen Aufgaben, im Standesamt heiraten, in der Kirche heiraten mit ganz großer Feier hinter, auf Mallorca Luft holen und dann wieder in der Schule und alles von vorne (bis auf die Hochzeit, leider. Die war schön. Davon bräuchte ich mehr.) Im Haushalt war ich selten, nur am Wochenende mal. Und zwischendrin habe ich meine Abschlussarbeit geschrieben.

Die Luft war raus um Weihnachten herum, da war nicht mehr viel Kraft für etwas anderes als Schüler und Hochzeit und so manches privates Herzchaos. Aber jetzt rücken die Ferien näher, nächste Woche habe ich Abschlussfeier und bin dann Waldorflehrerin mit Zertifikat, so ganz offiziell. Und die Herausforderungen für nächstes Schuljahr stehen auch schon vor der Tür und wollen durchdacht werden.

Aber – ich habe wieder mehr Luft, jetzt, mit fertigen Zeugnissen (Fast fertig zumindest). Mal sehen, was die Ferien so bringen. Auch hier.

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Voll eklig |Bücherregal|

voll eklig

Haupt* 17.9.2014 * ISBN: 978-3-258-07843-4

TB 19,90 € * Leseprobe * Autor

Während ich ohne mit der Wimper zu zucken fremden Kindern die Windeln wechseln und das übrige Mittagessen meiner Schüler aufessen kann, finde ich Spinnen eklig und Schleim sowieso. Ratten finde ich süß und Schlangen machen mir keine Angst, Mehlwürmer fasse ich aber nur mit Pinzette an. Und wie ist das bei euch so? Jeder ekelt sich vor anderen Dingen, denn Ekel wird uns erst anerzogen und so ist das, was wir widerlich finden, nicht immer dasselbe, was unsere Freunde nicht anfassen würden.

Doch was weckt den Ekel in uns und wieso ist es manchmal sehr sinnvoll, dass wir uns von diesen Dingen fern halten? Antworten findet man in Voll eklig aus dem Haupt-Verlag für 55 Ekelfaktoren – von der Spinne zum Eiter, von Blut zu Schlangen. Und da sich jeder anders ekelt, kann man hier erst einmal selbst einschätzen, wie ekelhaft man etwas findet. Von schauerlich eklig bis überhaupt nicht eklig kann man seinen persönlichen Ekelfaktor auf einer Skala einschätzen – wer weiß, vielleicht ändert er sich nach dem Lesen der zugehörigen Seiten ja? Denn danach wird man informiert, wieso man sich vor genau dieser Sache ekeln kann. Bei Gerüchen erfährt man, wie sie entstehen, bei Tieren eher, wie sie leben. Manchmal kann man forschen, manchmal gibt es Tipps, wie man sich weniger ekeln kann, manchmal Quizfragen. Jede Seite ist so individuell wie ihr Thema.

In gewohnt liebevoller Aufmachung mit Fotos und Zeichnungen, Symbolen und verschiedenen Farben ist Voll eklig ein ideales Buch für Kinder, um sich kurz zu informieren und viele neue Fakten dazuzulernen.

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Missverständnis |Kindermund|

Schon seit Jahresbeginn sagen wir zusammen eine Version von “Dunkel wars, der Mond schien helle” auf – mit Begeisterung suchen die Kinder darin alles heraus, was nicht funktioniert. Am letzten Schultag vor den Ferien wollten sie es erst ohne meine Hilfe aufsagen, dann ein paar noch einzeln. Ist ja schön, wenn sie sich da sicher fühlen, aber die Praktikantin und ich mussten und sehr oft ein Lachen verkneifen – was man nicht alles mitverstehen kann.

Interpretation Schüler: Dunkel wars, der Mond schien helle, Schnee lag auf dem grünen Flur. (Tatsächlich: auf der grünen Flur.)

Interpretation Schüler 2: Auf einer roten Bank, die blau angeschissen war, saß ein blondgelockter Jüngling. (Das war durchaus ernst gemeint von dem Schüler – ernsthaft und im Brustton der Überzeugung vorgetragen. Tatsächlich ist die Bank gestrichen.)

Interpretation verschiedene Schüler: Neben ihm ne alte Schwulle/Strulle/Schule (anstatt Schrulle)

Normalerweise haben die Kinder kein Problem mit den Gedichten, die sie lernen, aber die verschiedenen Wörter, die sie nicht kannten, haben sie dann doch wohl ins Schwanken gebracht.

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Meine Nähmaschine und ich [Bücherregal]

nähen

Als Stöpsel von 10 Jahren, frisch auf dem Gymnasium, fehlte der Handarbeitsunterricht mir so sehr, dass ich ihn als Wahlfach belegte. Und da lernte ich das erste Mal nähen. Mangels einer Nähmaschine habe ich aber alles wieder verlernt. Als letztes Jahr bei Amazon eine tragbare Nähmaschine im Angebot war, ergriff ich die Chance – genäht habe ich nämlich im Gegensatz zum Stricken unheimlich gerne.

Doch nach 18 Jahren Abstinenz muss man ja wieder lernen wie es geht. Und wieder einmal ist die Perlenreihe mir hier sehr hilfreich. Leider hat das Buch nicht das schöne Aufklappformat der Häkel- und Strickbücher – aber da die Projekte auch nicht so genau verfolgt werden müssen, ist das nicht ganz so schlimm.

Zu Beginn wird erst einmal erklärt, worin der Unterschied zwischen Nähen mit der Hand und mit der Maschine ist. Danach wirft die Autorin einen Blick darauf, welche Maschine die beste für die eigenen Zwecke ist. Hat man erst einmal die Maschine, geht es um den perfekten Nähplatz und dessen Ausstattung. Hast du alles da? Dann kann man ja anfangen. Wie funktioniert so eine Maschine denn? Dazu erhält man eine beschriftete Abbildung, gefolgt von genaueren Erklärungen zu den einzelnen Teilen und den Möglichkeiten der Extraausstattung wie spezielle Nadeln. Nachdem man auch erfährt, wie der Faden eingelegt wird, schnappt man sich ein Probestück und probiert dann nach detaillierten Anleitungen aus, wie man näht. Ganz einfach und unkompliziert. Wenn dann alles klappt, gibt es Vorschläge für Anfängerprojekte, an denen man sich versuchen kann.

Handlich und gewohnt schön gestaltet mit vielen Bildern, Bildanleitungen und Zeichnungen ist Meine Nähmaschine und ich ein hilfreicher Ratgeber rund ums Maschinennähen.

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Weihnachtsgeschenke [Kindermund]

Die Rechenepoche neigt sich dem Ende zu. Da Heiligabend näherrückt, hat diese Woche das Thema Weihnachten, Weihnachtsgeschenke und alles Drumherum. Heute durften die Kinder einen Weihnachtsbaum mit Geschenken malen, die wir morgen “auspacken”. Ein Junge malt ein riesiges Geschenk neben seinen Weihnachtsbaum.

Ich: Was ist denn in dem großen Päckchen?

Er: Ein Wackelstuhl für die Oma.

Na, was meinte er wohl wirklich?

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Kot [Kindermund]

Fluchen ist ja auch immer so ein Thema. Nach den Sommerferien sah ich mich mit Kindern konfrontiert, die klangen, als hätten sie im amerikanischen Ghetto (Achtung, Klischeekeule) ihren Urlaub verbracht und die mich völlig verständnislos anstarrten, als ich sie zurechtwies. Ich weiß noch, dass ich das erste Mal, als ich das Wort “Scheiße” benutzte, erschrocken innehielt, wohl im Glauben, dass mich nun der Blitz treffe. Das Problem haben meine Kinder nicht. So ereignete sich diese Woche folgendes Gespräch im Unterricht:

Kind 1 (vermalt sich): Scheiße!

Ich setze schon zum Schimpfen an, da tönt es aus der letzten Reihe: Scheiße sagt man nicht. Das macht den Charakter im Arsch!

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Echt wahr? [Bücherregal]

echt wahr

Es gibt eine Sache, von der die Flöhe wissen, dass ich sie wirklich wirklich hasse, und das ist angelogen zu werden. Doch wie macht man Kindern begreiflich, was lügen bedeutet? Und ist es okay, wirklich jede Lüge zu verteufeln? Antja Damm liefert mit ihrem Buch „Echt wahr?“ eine ideale Diskussionsgrundlage für alle, die ein Gespräch zwischen Erwachsenen und Kindern anregen wollen. Sie gibt 52 Denkanstöße. Diese können völlig verschieden ausfallen. Manchmal ist es nur eine simple Frage (Lügt jeder mal?). Manchmal sind es einfache Aussagen wie wissenschaftliche Ergebnisse. Manchmal wird etwas erklärt, zum Beispiel wie man erkennt, ob jemand lügt. Dann gibt es noch optische Täuschungen oder Geschichten über historische Lügen wie zum Mauerbau oder literarische Lügengeschichten wie Baron Münchhausen. So arbeitet man mit den Kindern nicht nur stur Fragen ab, die sie simpel beantworten können. Man bringt sie zum Nachdenken und dazu, einen eigenen Standpunkt zu entwickeln oder den weiterzuentwickeln, den sie bisher hatten.

Echt wahr erscheint auf den ersten Blick von außen ein sehr liebevoll gestaltetes Buch mit Fotos, Zeichnungen, Gemälden und sparsamen Text zu sein. Doch in diesem Buch steckt sehr viel mehr und ich bin wirklich beeindruckt, wie sehr sich die Autorin Gedanken zum Thema gemacht hat, um es dann auf Anstöße zu reduzieren, die andere zum Gedankenmachen bringen.